The Johnny Winter Story

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Magazines in 1979

Trouser Press, Jan 1979

TP's Guitar Picks 100 Best Rock Guitarists, Johnny on page 23

Creem, April 1979

Picture Blues Brothers with Johnny Winter

Saturday, 14 April 1979: New Musical Express

1979: Sounds Magazine (Germany)

Review of Johnny Winter at the Rockpalast Show

May 1979: Beat Instrumental

Beat Instrumental: Johnny Winter, Neil Schon, Renaissance, John McCoy, Bert Jansch, George Duke, Bethnal

Wednesday, 9 May 1979: Danish Newspaper: Aktuelt

Johnny in an interview with the Danish Newspaper: Aktuelt, just before the concert. Full transcript of this interview can be found in the "Timeline 1979"

Spotlight (Germany) June 1979

Spotlight Magazine Germany 1979

Transcript of the Article in Spotlight

Hellwigs lustigen Jodlern, man mag auch in Dur und Moll mit Heckschem Playback spielen, oder sich zu dummseligen Gags was Musikalisches einladen und damit noch funktionierende Ausreden erstellen, aber wie lange. Doch genug davon, kehren wir wieder zurück zur aktuellen Rockpalast-Nacht - die Thematik der vergewaltigten Deutschen in den Medien wird zu einem späteren Zeitpunkt Platz finden - und beschäftigen wir uns lieber wieder mit dem Ereignis J. Geils Band, Patti Smith Group und Johnny Winter Band. Die Dinge am Rande. Schon am Montag der Woche trafen die ersten Arbeitsgruppen des WDR in Essen ein und begannen mit den Vorbereitungen, die Tasco-Crew reiste auch schon bald an und tröpfchenweise trafen auch neugierige Beobachter, Fotografen, Journalisten und Mechandiser ein, um schon Mittwoch den Soundcheck der Johnny Winter Band mitzuerleben, Donnerstags Patti Smith zu beobachten und am Freitag dann die J. Geils Band. Während Johnny Winter nach seinem Soundcheck abreiste, um einer Konzertverpflichtung in Hamburg nachzukommen, hatte Patti Smith volles Kulturprogramm angesagt. Interviews und Kunstbeweise lieferten sie vor und nach ihrem Soundcheck en Masse. Die J. Geils Band hingegen zog es vor, eine normale Rock 'n' Roll Band an tour zu sein. Lustig, auf-geschlossen, immer zu Späßchen und Schwatz aufgelegt sorgten sie noch am ehesten für eine Atmosphäre der Ungezwungenheit. Irgendwann während all ihrer Arbeit hatte Patti Smith, diesmal ohne Managerin, noch Zeit genug, um einen Versuch zu machen, so ganz nebenbei noch kleine Kohle zu machen. Es ging sich um den Verkauf von "Badges". Ihrer Meinung nach würden 7 - 8 000 Leute allein wegen Patti Smith zur Grugahalle kommen, und somit würde es eine Leichtigkeit sein, ca. 2000 Patti Smith Badges zu verkaufen. Gleichwohl hatte sie die Ansteckplaketten aber nicht mit, sondern sie waren von der Fundgrube Rhein-hausen gefertigt. Nun meinte die clevere Dame zum Fundgrubenbesitzer Führsen, sie wollte für jedes verkaufte Badge 1 "deutsch Mark" kassieren, und da ja wie gesagt mindestens 2000 verkauft werden würden, wollte sie die 2000 "deutschen Märker" direkt Cash per Vorkasse einziehen. Illusion auf der einen Seite, kaufmännisches Denken auf der anderen Seite. Schließlich gewann der Kaufmann, no Superstar-Konditionen und no business und so gab es auch keine Patti Smith Badges zu kaufen. Die J. Geils hatte dagegen anderes zu tun. Mit einer Professionalität, geboren aus Erfahrung und Können sorgten sie sich mit konsequentem Einsatz um den Bühnensound und den Aufbau ihrer Anlage. Seit mehr als 15 Jahren hänge ich auf Konzerten und Soundchecks herum und habe schon einiges Erstaunliche gesehen, aber die Professionalität dieser Band, dieses Bühnenaufbaus überraschte mich doch. Alles ist so konzipiert, daß es mit dem geringsten Aufwand an Zeit und Arbeit aufgebaut werden kann, wobei die gesamte Anlage aus modifizierten Einheiten besteht, die unter Transportgesichtspunkten erstellt wurde. Doch davon an anderer Stelle mehr, so wie wir auch noch einiges zu schreiben haben über Mundharmonikaspieler Magic Dick, denn was er er-zählte, über seine Kollegen, über den J. Geils

Sound und über sein Mundharmonikaspiel, würde hier den Rahmen sprengen. Die Nacht selber dann brachte Unerwartetes und sorgte für eine Ordnung der Dominanzen. Stainless Steel - fleckenloser heavy-Rock der J. Geils Band. Der Saal tobte. Obwohl anfänglich nur schwer in Fahrt zu bringen, zuviele Besucher hatten wohl von dieser Band noch zu wenig gehört, sprang doch der Funke über und setzte die Fans in Flammen. Trotz der emotionalen Genzen, die die stets sichtbaren Kameras der Fernsehleute zogen, erzwangen die Kids vier Zugaben. Demzufolge war es nur zu verständlich, daß es Patti Smith nicht schon mit den ersten Takten gelang, das Publikum nun auf ihre Bahrt zu ziehen. Viel-leicht aber liegt es auch daran, daß die J. Geils Band musikalisch technisch gesehen genau weiß, was sie macht, machen kann, und ihr Können auch demonstrieren kann, während bei der Patti Smith Group zuviel unausgesprochenes mitwirkt. Nach J. Geils Gitarre war die verstimmte Gitarre von Lenny nicht mehr aktuell, und Patti's Soli sind vielleicht Demonstration eines sub kulturellen Engagements Engagements, aber nicht musikalische Demonstration eines Gitarrenspielers. Trotzdem gelang es ihr, eine ganze Rihe von Zuhörern in ihren Bann zu ziehen und in einem auf ihr Metier ausgerichteten Programm hätte sie gleich-wohl der Sieger des Abends werden können. Doch hier und heute zählte musikalisches Können, zählte die klare Sprache von Musikern, die ihr Wörterbuch beherrschen, zählte die gefühlsbetonte und dennoch glaskare Argumentation der Rockmusik. Deutlich wurde dies ganz besonders, als Patti versuchte, ihren Fans klarzumachen, daß es hier und zur Stunde um "My Generation" ging. Doch wüste Sounds alleine machen keine neue Generation, solche Sounds mögen zwar ihre Bedeutung haben, mögen für Fans der Richtung 'Aufruhr und Zerstörrock' das Non plus Ultra sein, aber für "My Generation" zählen sie nicht. Diese Sprache hatte Johnny Winter an diesem Abend. Mit einem kaum faßbarem Gefühl für Aussage und Modulation erzählte er den versammelten Rockjüngern in der Halle und vor den Schirmen, was diese Musik zu sagen hat. Die Gefühlstiefe, ge boren aus Aufschrei, Protest und aggressiver Verzweiflung, die Johnny an diesem Morgen in sein Gitarrenspiel einfließen ließ, setzte neue Maßstäbe. Sicher, es gab eine Zeit da spielte Johnny noch schneller, noch aktiver vorwärtsdrängend, aber ich glaube nicht, daß er jemals so gut spielte. Während andere Gitarristen durch zunehmend Praxis und Erfahrung technisch billanter werden, noch schneller wer-den, ist Johnny reifer, humaner geworden. Johnny ist nicht mehr nur der Wundergitarrist mit den schnellen Fingern, es ist mehr, ist ähnlich Jimi Hendrix mit seiner Gitarre zum Medium der Mitteilung geworden. Ein Gitarrist aus der rheinischen Großstadt, der Johnny Marathon am Bildschirm verfolgte, bekam da-bei seinen "moralischen" und meinte "es ist nicht, daß er besser spielt als ich, es ist ein-fach, seine Gitarre redet, was er will, ohne Kompromisse." Und so war diese Nacht nötig, denn mehr noch, daß sie dem Rockpalastteam den längst verdienten Supererfolg bescherte, machte sie gleichwohl deutlich, wo im Rock die Prämissen gesetzt werden. Es ist der Musiker, der was zu sagen hat, der immer noch in erster Reihe steht, der von den Leuten akzeptiert wird. Und darum allein ist es schon nötig, einen Rockpalast zu haben, denn in der direkten Konfrontation mit dem Publikum - live vor dem Bildschirm und live in der Halle, in der ebenfalls direkten Auseinandersetzung der Gruppen und Künstler scheidet sich die Spreu vom Weizen. Deshalb allein war es gut, diesen Abend zu haben, denn mit diesem Programm hat der Rockpalast zugleich auch für eine Klärung der aktuellen Rocksituation gesorgt, hat den Rockjüngern die Möglichkeit beschert, hart und direkt zu vergleichen, abzuwägen und damit die Basis geschaffen, einen neu durch-dachten Standpunkt zu beziehen. Was immer an Kritik auch laut werden wird, was immer auch gesagt wird zu der J. Geils Band, zu Patti Smith und zu Johnny Winter, es kann nur aus diesem Vergleich kommen. Heavy Metal. Demonstrator-Rock oder Electric-Blues - was wird gewogen und zu leicht gefunden. Die weitere Entwicklung und die Ereignisse, die aus dieser Nacht entstehen, oder zu diesem Zeitpunkt entstanden sind, werden auf- zeigen, wie wichtig diese Nacht war, deren Programme uns von Peter Rüchel und Christian Wagner beschert wurde. Doch was ansonsten so alles zu einer solchen Nacht gehört, wird allzuleicht übersehen, nicht erkannt, obwohl der Unterbau auch Lassen wir die Bereiche des kreativen Machens vor und während der Sendung einmal außer Acht, sondern beschäftigen wir uns einmal nur mit den Dingen, die notwendig sind, damit diese Kreativität sich entfalten kann, also mit dem Unterbau der Produktion. Wo und wann fangen die Arbeiten, die Probleme an. Nun, zuerst einmal müssen wir. eine Halle haben, die uns die Möglichkeit gibt, fünf oder sechs Tage vor dem Sendetermin mit den Arbeiten zu beginnen. Abgesehen, daß uns die Grugahalle schon von einigen anderen Gelegenheiten her bekannt war, und wir dort gut arbeiten konnten, mußten wir dennoch erst ab klären, ob es eben diese fünf bis sechs Tage vorher gäbe. Bei den etwa zweihundertfünfzig Veranstaltungen, die die Halle im Jahr durch-führt, sicherlich kein so leicht zu erfüllender Wünsch von uns, aber ich kann sagen, daß sich Hallenboß Tallarek mit äußerster Konsequenz dafür einsetzt, und bisher immer die Möglichkeit geschaffen hat, so frühzeitig die Halle zu belegen. Als dieses Fundament stand, begannen wir erst mit der eigentlichen Vorbereitung. Wir haben überlegt was wir alles haben müssen, vier Kamerawagen, wir müssen hinter der Bühne die Interviews aufnehmen, also noch ein-mal zwei Kameras, außerdem will Christian auf der Bühne auch noch eine Kamera haben, da-mit wären es schon sieben Kameras, dazu kommen noch die Kameras für die Ansage vor der Halle. Dann kommen als nächstes die Belange des Hörfunks, um die stereophone Übertragung zu sichern. Also muß ein Übertragungswagen her mit mindestens dreißig Kanälen stereo-phon. Ein MAZ-Wagen am Ort und zwei stationäre MAZen hier in Köln galt es ebenfalls zu sichern wie auch die Großbildanlage für den Halleninnenraum. Ich hatte Peter Rüchel da hier - wie nahezu immer - die Ereignisse und Taten erst möglich macht. Wir haben uns deshalb einmal mit Wilhelm Lang und Barbara Lücke unterhalten, die von der technischen Seite, von der Produktion her für dieses Ereignis zuständig waren mals vorgeschlagen, doch zusätzlich zum Ton auch den Zuschauern in der Halle Bildmaterial vom Geschehen hinter der Bühne vorzulegen, und Peter war von dieser Idee begeistert. Aber der WDR hat keine solche Anlage, die galt es nun vom Südwestfunk zu leihen. Aber dies sind noch alles Bereiche die hier im Hause WDR abgeklärt und beschafft wer-den können. Das Bühnenlicht und die P.A. Anlage stellt uns vor ganz andere Aufgaben. Eine solche Lichtanlage haben wir nicht, weil wir sie für die normale Fernsehproduktion nicht verwenden können, und eine beschallungsanlage um derartige Großräume zu be schallen besitzt der WDR aus dem gleichen Grunde ebenfalls nicht. Also galt es herumzutelefonieren und Angebote reinzuholen. Im ersten Jahr haben wir es mit Flash Light & Sound probiert, sind dabei aber beinahe auf die Nase gefallen, und haben daher für die zweite Produktion die Fa. Tasco eingeschaltet. Tasco aber sucht sich seine Kunden aus, die nehmen noch längst nicht jeden, und wer ist schon der WDR. Nun, wir haben sie letztlich doch überzeugen können, es mit uns zu wagen. Mit weichem Aufwand reist Tasco nach Essen? Tasco kommt mit 12 Mann Personal und zwei 20 Tonnern Equipment, wobei das Lichtequipment den größten Platzanteil beansprucht. Zudem kommen noch die CSI-Spots, die auch von Tasco mitgebracht werden und eine solche Leistung haben, daß sie nach sechzig Metern immer noch 1000 Lux Lichtleistung auf die Bühne werfen. Von den beiden P.A. Türmen mit je 6000 Watt hat man sich ja schon in den Fernsehbildern eine Vorstellung machen können. Gesteuert wurde das P.A. mit einem 36 Kanal-Mixer. Das sind nur die großen Dinge, all die kleinen Sachen, wie Stage-Box und Kabel und Mikros und was sonst noch so benötigt wird, kann man hier gar nicht aufzählen. Hinzu kommen noch die Anlagen für den Bühnenmix und die gesamte Lichtsteuerung. Aufgebaut wird der ganze Soundapparat von den Tasco-Buben in weniger als sechs Stunden. Nun mag man denken, daß die wesentliche Arbeit für die Jungens nach dem Aufbau der Anlage getan sei, aber weit gefehlt. Auch wenn jede Band ihre eigene Crew mitbringt, und einen eigenen Toningenieur an den Mixer beordert, so bleiben die Tasco-Leute doch voll im Einsatz. Fast täglich müssen sie 18 Stunden am Ball sein, denn immer wieder passiert etwas, hat eine Band noch diese oder jene Vorstellung, oder aber von unserer Fernseh-Notwendigkeit heraus bilden sich neue Forderungen an das Equipment. Aber wirkliche Probleme sind bisher nicht aufgetreten, wie üblich sind auch hier bei uns immer nur die kleinen Dinge die für die anhaltende Spannung sorgen. Auf der anderen Seite ist die Fa. Tasco aber auch in der Lage, innerhalb kürzester Zeit für jedes Gerät vollwertigen Ersatz zu

Spotlight Part Two

Spotlight

juni 6/79

Rockpalast

 

Es ist bedeutend schwieriger, die Großen klein zu zeichnen, als die Kleinen groß zu zeichnen - so oder ähnlich könnte die erste Erkenntnis des 4. Rockpalastfestivals lauten, wäre das gesamte Ereignis nicht doch zu groß und überwältigend gewesen, um es so mit einem Satz abzuhandeln. Mit Abstand war dieses Festival das erfolgreichste, gemessen an den Einschaltquoten und am direkten Publikumsbesuch in der Essener Gruga-Halle. Total ausverkaüiftes Haus verzeichente die Halle und in den Presseveröffentlichungen unseres Landes waren allenthalben die Informationen zu finden, in denen es hieß, hier und dort hatten sich ganze Gemeinschaften vor dem Fernseher versammelt, um die Rocknacht live im Bild und Stereoton zu erleben. Die Bilanz der angeschlossenen Teilnehmer liest sich so. Direkt mit dabei waren die Sender Österreich, Norwegen, Schweden, Schweiz, Jugoslawien und Bulgarien. Die Franzosen zeichneten ebenfalls auf, strahlten aber nur den Patti Smith Teil live aus.

Angeschlossen waren außerdem die Rundfunksender NDR 3, Radio Bremen 2, Saarländischer Rundfunk 2, Sender Freies Berlin UKW 92,4 MHz Kanal 18, Süddeutscher Rundfunk 3 und Bayern 3. Nicht dabei waren die Hessen und keiner weiß warum, dafür aber gab es auch noch Radio im Ausland. Aus der Schweiz sorgten die Sender Studio Lausanne und Studio Zürich für stereophones Vergnügen. Hochrechnungen ergaben, daß es in dieser Nacht wohl zwischen dreißig und vierzig Millionen Rockfans an die TV-Schirme und Radiolautsprecher gezogen hatte, ein Erfolg, der wohl für Europa einmalig ist.

Ein Programm hat sich durchgesetzt, hat sich trotz aller Unkenrufe und einstiger "nur regional" Belächelung zum wohl wichtigsten Faktor in der europäischen Rockszene entwickelt. Natürlich gilt dies nur für die Festivalreihe des Rockpalastes, und nicht für die

immer noch "nur regional" laufenden normalen Programme der Rockpalastreihe. Hier ist die Diskrepanz zwischen Hörerwunsch und öffentlich-rechtlicher Entscheidung immer noch Folge einer Bevormundungsentscheidung zu Ungunsten einer landesweiten Bevölkerungsschicht, die nicht über Lobbyisten verfügt. Aber was solls, die "Wahrer des Kultgrals" in den öffentlich-rechtlichen Anstalten werden doch eines Tages noch nachgeben müssen, die technoloigsche Entwicklung - Satelliten - TV und Kabelfernsehen, womöglich nicht parteipolitisch gesteuert - wird der "Unkultur Rock" angemessen Rechnung tragen müssen, denn letztlich können es sich die neuen Verantwortlichen nicht erlauben, so wie es die Anstaltenoberen wagenwesentliche Bedürfnisse der heranwachsenden Generation zu verleugnen. Helmut Schmidt mag sich mit Udo Jürgens schmücken, die TV-Bosse mit dem blauen Bock oder mit Maria

Hellwigs lustigen Jodlern, man mag auch in Dur und Moll mit Heckschem Playback spielen, oder sich zu Iljas dummseligen Gags was Musikalisches einladen und damit noch funktionierende Ausreden erstellen, aber wie lange. Doch genug davon, kehren wir wieder zurück zur aktuellen Rockpalast-Nacht - die Thematik der vergewaltigten Deutschen in den Medien wird zu einem späteren Zeitpunkt Platz finden und beschäftigen wir uns lieber wieder mit dem Ereignis J. Geils Band, Patti Smith Group und Johnny Winter Band.

Die Dinge am Rande.

Schon am Montag der Woche trafen die ersten Arbeitsgruppen des WDR in Essen ein und begannen mit den Vorbereitungen, die Tasco-Crew reiste auch schon bald an und tröpfchenweise trafen auch neugierige Beobachter, Fotografen, Journalisten und Mechandiser ein, um schon Mittwoch den Soundcheck der Johnny Winter Band mitzuerleben, Donnerstags Patti Smith zu beobachten und am Freitag dann die J. Geils Band. Während Johnny Winter nach seinem Soundcheck abreiste, um einer Konzertverpflichtung in Hamburg nachzukommen, hatte Patti Smith volles Kulturprogramm angesagt. Interviews und Kunstbeweise lieferten sie vor und nach ihrem Soundcheck en Masse. Die J. Geils Band hingegen zog es vor, eine normale Rock 'n' Roll Band an tour zu sein. Lustig, auf-geschlossen, immer zu Späßchen und Schwatz aufgelegt sorgten sie noch am ehesten für eine Atmosphäre der Ungezwungenheit.

Irgendwann während all ihrer Arbeit hatte Patti Smith, diesmal ohne Managerin, noch Zeit genug, um einen Versuch zu machen, so ganz nebenbei noch kleine Kohle zu machen. Es ging sich um den Verkauf von „Radges”. Ihrer Meinung nach würden 7 - 8 000 Leute allein wegen Patti Smith zur Grugahalle kommen, und somit würde es eine Leichtigkeit sein, ca. 2000 Patti Smith Badges zu verkaufen. Gleichwohl hatte sie die Ansteckplaketten aber nicht mit, sondern sie waren von der Fundgrube Rhein-hausen gefertigt. Nun meinte die clevere Dame zum Fundgrubenbesitzer Führsen, sie wollte für jedes verkaufte Badge 1 "deutsch Mark" kassieren, und da ja wie gesagt mindestens 2000 verkauft werden würden, wollte sie die 2000 "deutschen Märker" direkt Cash per Vorkasse einziehen. Illusion auf der einen Seite, kaufmännisches Denken auf der anderen Seite. Schließlich gewann der Kaufmann, no Superstar-Konditionen und no business und so gab es auch keine Patti Smith Badges zu kaufen.

Die J. Geils hatte dagegen anderes zu tun. Mit einer Professionalität, geboren aus Erfahrung und Können sorgten sie sich mit konsequentem Einsatz um den Bühnensound und den Aufbau ihrer Anlage. Seit mehr als 15 Jahren hänge ich auf Konzerten und Soundchecks herum und habe schon einiges Erstaunliche gesehen, aber die Professionalität dieser Band, dieses Bühnenaufbaus überraschte mich doch. Alles ist so konzipiert, daß es mit dem geringsten Aufwand an Zeit und Arbeit aufgebaut werden kann, wobei die gesamte Anlage aus modifizierten Einheiten besteht, die unter Transportgesichtspunkten erstellt wurde. Doch davon an anderer Stelle mehr, so wie wir auch noch einiges zu schreiben haben über Mundharmonikaspieler Magie Dick, denn was er erzählte, über seine Kollegen, über den J. Geils

Sound und über sein Mundharmonikaspiel, würde hier den Rahmen sprengen.

Die Nacht selber dann brachte Unerwartetes und sorgte für eine Ordnung der Dominanzen. Stainless Steel - fleckenloser heavy-Rock der J. Geils Band. Der Saal tobte. Obwohl anfänglich nur schwer in Fahrt zu bringen, zuviele Besucher hatten wohl von dieser Band noch zu wenig gehört, sprang doch der Funke über und setzte die Fans in Flammen. Trotz der emotionalen Gfenzen, die die stets sichtbaren Kameras der Fernsehleute zogen, erzwangen die Kids vier Zugaben. Demzufolge war es nur zu verständlich, daß es Patti Smith nicht schon mit den ersten Takten gelang, das Publikum nun auf ihre Bahn zu ziehen. Vielleicht aber liegt es auch daran, daß die J. Geils Band musikalisch technisch gesehen genau weiß, was sie macht, machen kann, und ihr Können auch demonstrieren kann, während bei der Patti Smith Group zuviel unausgesprochenes mitwirkt.

Nach J. Geils Gitarre war die verstimmte Gitarre von Lenny nicht mehr aktuell, und Patti's Soli sind vielleicht Demonstration eines subkulturellen Engagements, aber nicht musikalische Demonstration eines Gitarrenspielers. Trotzdem gelang es ihr, eine ganze Rihe von Zuhörern in ihren Bann zu ziehen und in einem auf ihr Metier ausgerichteten Programm hätte sie gleich-wohl der Sieger des Abends werden können. Doch hier und heute zählte musikalisches Können, zählte die klare Sprache von Musikern, die ihr Wörterbuch beherrschen, zählte die gefühlsbetonte und dennoch glaskare Argumentation der Rockmusik. Deutlich wurde dies ganz besonders, als Patti versuchte, ihren Fans klarzumachen, daß es hier und zur Stunde um "My Generation" ging. Doch wüste Sounds alleine machen keine neue Generation, solche Sounds mögen zwar ihre Bedeutung haben, mögen für Fans der Richtung 'Aufruhr und Zerstörrock' das Non plus Ultra sein, aber für "My Generation" zählen sie nicht.

Diese Sprache hatte Johnny Winter an diesem Abend. Mit einem kaum faßbarem Gefühl für Aussage und Modulation erzählte er den versammelten Rockjüngern in der Halle und vor den Schirmen, was diese Musik zu sagen hat. Die Gefühlstiefe, geboren aus Aufschrei, Protest und agressiver Verzweiflung, die Johnny an diesem Morgen in sein Gitarrenspiel einfließen ließ, setzte neue Maßstäbe. Sicher, es gab eine Zeit da spielte Johnny noch schneller, noch aktiver vorwärtsdrängend, aber ich glaube nicht, daß er jemals so gut spielte. Während andere Gitarristen durch zunehmend Praxis und Erfahrung technisch billanter werden, noch schneller werden, ist Johnny reifer, humaner geworden Johnny ist nicht mehr nur der Wundergitarrist mit den schnellen Fingern, es ist mehr, ist ähnlich Jimi Hendrix mit seiner Gitarre zum Medium der Mitteilung geworden. Ein Gitarrist aus der rheinischen Großstadt, der Johnnys Marathon am Bildschirm verfolgte, bekam dabei seinen "moralischen" und meinte "es ist nicht, daß er besser spielt als ich, es ist einfach, seine Gitarre redet, was er will, ohne Kompromisse." Und so war diese Nacht nötig, denn mehr noch, daß sie dem Rockpalastteam den längst verdienten Supererfolg bescherte, machte sie gleichwohl deutlich, wo im Rock die Prämissen gesetzt werden. Es ist der Musiker, der was zu sagen hat, der immer noch in erster Reihe steht, der von den Leuten akzeptiert wird. Und darum allein ist es schon nötig, einen Rockpalast zu haben, denn in der direkten Konfrontation mit dem Publikum - live vor dem Bildschirm und live in der Halle, in der ebenfalls direkten Auseinandersetzung der Gruppen und Künstler scheidet sich die Spreu vom Weizen. Deshalb allein war es gut, diesen Abend zu haben, denn mit diesem Programm hat der Rockpalast zugleich auch für eine Klärung der aktuellen Rocksituation gesorgt, hat den Rockjüngern die Möglichkeit beschert, hart und direkt zu vergleichen, abzuwägen und damit die Basis geschaffen, einen neu durch-dachten Standpunkt zu beziehen. Was immer an Kritik auch laut werden wird, was immer auch gesagt wird zu der J. Geils Band, zu Patti Smith und zu Johnny Winter, es kann nur aus diesem Vergleich kommen. Heavy Metal. Demonstrator-Rock oder Electric-Blues - was wird gewogen und zu leicht gefunden. Die weitere Entwicklung und die Ereignisse, die aus dieser Nacht entstehen, oder zu diesem Zeitpunkt entstanden sind, werden aufzeigen, wie wichtig diese Nacht war, deren Programme uns von Peter Rüche! und Christian Wagner beschert wurde.

Doch was ansonsten so alles zu einer solchen Nacht gehört, wird allzuleicht übersehen, nicht erkannt, obwohl der Unterbau auch hier - wie nahezu immer - die Ereignisse und Taten erst möglich macht. Wir haben uns deshalb einmal mit Wilhelm Lang und Barbara Lücke unterhalten, die von der technischen Seite, von der Produktion her für dieses Ereignis zuständig waren.

Merlin W. Frank

 

Rolling Stone, Thursday, 9 August 1979, Issue 297

Article: Waters & Clapton: the father & the son, Johnny mentioned

Guitar Player, 1979

Johnny's management paid for a full white page with a message from Johnny.

Centered in the middle of the page : "Thanks for all my friends for making 1978 a great year. Wishing you the best for 1979". Johnny's signature was following this message. That year, if I'm not wrong, Johnny won best Blues Guitar Player in the Guitar Player annual poll awards. I think he won 3 times.


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09-Jan-2012 18:4848